Baugenehmigung, Baubeginn, Fertigstellung: die Unterschiede
Vier Begriffe beschreiben verschiedene Stationen eines Bauvorhabens. Wer sie auseinanderhält, kann Wohnungsbauzahlen und politische Zielvergleiche besser einordnen.
Vier Begriffe, vier verschiedene Aussagen
- Baugenehmigung
- Ein Vorhaben ist zur Umsetzung genehmigt. Die Wohnungszahl beschreibt den genehmigten Umfang.
- Baubeginn
- Die Bauausführung hat begonnen. Die Wohnungen sind damit noch nicht fertig.
- Baufertigstellung
- Das Vorhaben wird als fertiggestellt erfasst. Für die Jahreszahl ist die amtliche Erfassung maßgeblich.
- Bauüberhang
- Das Vorhaben ist genehmigt, zum Jahresende aber noch nicht als fertiggestellt erfasst. Der Bau muss noch nicht begonnen haben.
Die amtlichen Abgrenzungen finden sich bei Destatis und im Glossar des Statistischen Landesamts Rheinland-Pfalz.
Ein Haus mit zwölf Wohnungen über drei Jahre
Das folgende Beispiel ist frei gewählt und beschreibt keine durchschnittliche Bauzeit. Es zeigt nur, warum dasselbe Vorhaben in verschiedenen Statistiken und Jahren auftauchen kann.
- Jahr A: genehmigt. Zwölf Wohnungen werden genehmigt. Bis Jahresende beginnt der Bau nicht. Die Wohnungen zählen zu den Genehmigungen und zum offenen Bestand am Jahresende.
- Jahr B: begonnen. Der Bau startet, wird aber bis Dezember nicht fertig. Die zwölf Wohnungen bleiben im Bauüberhang. Sie sind keine zwölf neuen Genehmigungen dieses Jahres.
- Jahr C: fertiggestellt. Die zwölf Wohnungen werden als fertig erfasst. Sie erscheinen bei den Fertigstellungen und gehören am Jahresende nicht mehr zum offenen Bestand.
Das Vorhaben schafft insgesamt zwölf Wohnungen. Die Werte aus den drei Stationen zu addieren würde dieselben Wohnungen mehrfach zählen.
Ist Fertigstellung geteilt durch Genehmigung eine Erfolgsquote?
Für die Gesamtzahlen eines einzelnen Jahres ergibt diese Division keine Umsetzungsquote. Die fertiggestellten Wohnungen können Jahre zuvor genehmigt worden sein. Umgekehrt werden viele aktuelle Genehmigungen erst in späteren Jahren umgesetzt. Zähler und Nenner betreffen also unterschiedliche Vorhaben.
Eine belastbare Umsetzungsquote müsste einen gemeinsamen Genehmigungsjahrgang verfolgen und festlegen, bis wann eine Umsetzung zählt. Diese Verbindung lässt sich aus den hier verwendeten aggregierten Jahresreihen nicht herstellen.
Warum zwei Meldungen unterschiedliche Wohnungszahlen nennen können
Vor einem Vergleich lohnt es sich, vier Angaben zu prüfen: Geht es um Wohnungen oder Gebäude? Nur um neue Gebäude oder auch um Maßnahmen im Bestand? Um Wohngebäude oder zusätzlich Wohnungen in Nichtwohngebäuden? Und um einen Monat, ein ganzes Jahr oder einen Stichtag?
Auch der Veröffentlichungsstand zählt. Nachmeldungen und Korrekturen können eine Rolle spielen; die amtliche Erfassung ist nicht mit dem individuellen Einzugstermin gleichzusetzen. Hintergründe liefert der Destatis-Qualitätsbericht zu Baufertigstellungen.
Unsere Genehmigungsreihe und der Bauüberhang liefern den Kontext zum Wohnungsbau-Zielcheck. Der Zielcheck benennt ausdrücklich, welche Fertigstellungskennzahl mit dem historischen Ziel verglichen wird.
Zum Original nachlesen
- Destatis: Statistiken zur Bautätigkeit ↗
- Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Begriffe der Bautätigkeit ↗
- Destatis: Qualitätsbericht Baufertigstellungen ↗
Die Quellen belegen Messdefinitionen und fachliche Abgrenzungen. Rechenbeispiele sind ausdrücklich als solche gekennzeichnet. Wie wir Datenstände und Korrekturen behandeln, steht in unserer Methodik.