Installierte Leistung und erzeugter Strom: GW und GWh erklärt
Installierte Leistung beschreibt die Nennleistung von Anlagen. Die erzeugte Strommenge beschreibt ihre Arbeit über einen Zeitraum. Für den Solarausbau und den Strommix braucht es deshalb unterschiedliche Kennzahlen.
Was ist der Unterschied zwischen GW und GWh?
Gigawatt (GW) beschreibt Leistung. Bei einer Solaranlage ist die installierte Leistung eine Nennleistung unter festgelegten Bedingungen. Sie beschreibt nicht, wie viel Strom die Anlage zu jeder Zeit liefert.
Gigawattstunden (GWh) beschreiben eine Strommenge. Dafür zählt, welche Leistung über welchen Zeitraum tatsächlich abgegeben wird. Eine Stunde mit durchgehend einem Gigawatt Leistung ergibt eine Gigawattstunde.
Ein einfaches Rechenbeispiel: Liefert eine Anlage zwei Stunden lang konstant 5 Kilowatt, erzeugt sie 10 Kilowattstunden Strom. Eine Nennleistung von 5 Kilowatt allein reicht für diese Rechnung nicht aus: Die tatsächliche Leistung kann etwa mit der Sonneneinstrahlung schwanken.
Was bedeutet kWp oder MW peak?
Das „p“ steht für „peak“. Die Nennleistung von Photovoltaik-Modulen wird unter standardisierten Prüfbedingungen bestimmt. Anlagen mit derselben Nennleistung können an unterschiedlichen Standorten oder mit anderer Ausrichtung verschiedene Strommengen erzeugen.
In der EE-Statistik nennt die Bundesnetzagentur die Bruttoleistung zur Vereinfachung in Megawatt; bei Solar sind die Registerwerte Megawatt peak. 1.000 Megawatt entsprechen einem Gigawatt. Ein hoher Anlagenbestand garantiert weder eine bestimmte Jahreserzeugung noch eine zu jeder Stunde verfügbare Leistung.
Was unterscheidet installierte Leistung und Nettozubau?
Die installierte Leistung beschreibt den Anlagenbestand zu einem Stichtag. Inbetriebnahmen erhöhen den Bestand; endgültige Stilllegungen verringern ihn. Der Nettozubau ist die Differenz zwischen beiden Bewegungen in einem bestimmten Zeitraum.
Ein Monatszubau ist deshalb kein Gesamtbestand. Auch eine Schätzung für noch erwartete Registrierungen darf nicht unbemerkt mit einem bereits registrierten Bestand vermischt werden. Spätere Nachmeldungen können frühere Monatswerte verändern.
Photovoltaik-Ausbau: Bestandswerte und monatlichen Nettozubau ansehen →
Warum sind 215 GW Solarleistung und 80 Prozent erneuerbarer Strom verschiedene Ziele?
Der 215-Gigawatt-Zielcheck betrachtet die installierte Leistung von Solaranlagen im Jahr 2030 nach § 4 EEG. Die Bezugsgröße ist eine Kapazität.
Das 80-Prozent-Ziel nach § 1 EEG bezieht sich auf den Anteil erneuerbaren Stroms am Bruttostromverbrauch. Dafür sind erzeugte Strommengen und der gesamte Bruttostromverbrauch entscheidend. Neben Solar tragen weitere erneuerbare Energieträger dazu bei.
Aus dem prozentualen Erreichen eines Kapazitätsziels lässt sich deshalb kein gleich hoher Anteil am Stromverbrauch ableiten. Warum auch verschiedene Stromanteile voneinander abweichen, erklärt der Beitrag Strommix und Bruttostromverbrauch.
Gilt die Unterscheidung auch für Windkraft?
Ja. Der Zielcheck zu 115 GW Windenergie an Land bis 2030 vergleicht ebenfalls installierte Leistung. Erzeugte Strommengen sind eine andere Größe. Genehmigte Anlagen zählen erst mit ihrem tatsächlichen Betriebsstatus zum entsprechenden Anlagenbestand.
Die Datenseite zum Windkraft-Ausbau unterscheidet Bestand, Inbetriebnahmen, endgültige Stilllegungen und Genehmigungen. Nettozubau bezeichnet den Saldo der in Betrieb genommenen und endgültig stillgelegten Leistung, nicht die Summe erteilter Genehmigungen.
Zum Original nachlesen
- Bundesnetzagentur: EE-Statistik und Messdefinitionen ↗
- § 4 EEG: Ausbaupfad der installierten Leistung ↗
- § 1 EEG: Anteil am Bruttostromverbrauch ↗
Die Quellen belegen Messdefinitionen und fachliche Abgrenzungen. Rechenbeispiele sind ausdrücklich als solche gekennzeichnet. Wie wir Datenstände und Korrekturen behandeln, steht in unserer Methodik.